Coronahilfe per Lastenrad

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  • #2499
    Tinka
    Teilnehmer

    Hallo allerseits,

    die Coronakrise spitzt sich zu, besonders gefährdete Menschen brauchen Hilfe und genau an dieser Schnittstelle schreiten bereits die ersten Lastenrad-Initiativen mit Einkaufs- und Lieferserviceangeboten zur Tat.

    Die Situation ist prädestiniert dafür, dass wir in bester FFL-Manier unser Wissen teilen und eventuelle Schwierigkeiten mit der Schwarmintelligenz lösen. Ich habe bereits mitbekommen, dass die Heidschnucken aus Buchholz in der Nordheide und Ella aus Erfurt im Einsatz sind, hier in Hildesheim gibt es seit dem 13.3. ein Lieferserviceangebot in Kooperation mit FFF Hildesheim, Köln hat auch ein Angebot in dieser Richtung und in Eberswalde geht Montag ein Einkaufs- und Lieferservice mit Lastenrädern an den Start.

    Bei wem von euch gibt es ebenfalls ein ähnliches Angebot?
    Wo werden Freie Lastenräder anders als in normalen Zeiten eingesetzt?
    Wie ist der Ablauf bei euch vor Ort?
    Oder welche Fragen/Herausforderungen haben euch bislang davon abgehalten, einen Lieferservice o.ä. aufzubauen?

    #2500
    Tinka
    Teilnehmer

    Was in Hildesheim aktuell mit den Hilde-Lastenräder passiert:

    Kaum, dass die Schulschließungen am 13.3. bekannt gegeben wurden, riefen mich Aktive von FFF Hildesheim an und fragten, ob sie ein Lastenrad für einen Einkaufs- und Lieferservice für Risikogruppen nutzen können. Ehrensache.

    Wie es abläuft:

    – Werbung lief/läuft über Instagram, Facebook, die Lokalpresse, die Kirchengemeinden sowie Aushänge in Supermärkten + Häusern von Wohnbaugenossenschaften

    – Menschen aus der Risikogruppe (Ü60 oder mit Vorerkrankung) können sich unter einer Handynummer oder via Mail bei den FFF-Aktiven melden und hier einen genauen Einkaufszettel durchgeben.

    – Die Leute aus dem Team haben sich dazu verpflichtet nur in den Einsatz zu gehen, wenn sie sich bester Gesundheit fühlen, natürlich beachten sie auch sämtliche Regeln, die er derzeit gibt: Sozialkontakte auf das absolute Minimum eindampfen, Abstand zueinander halten, keine Hände schütteln und Hände häufig + gründlich waschen.

    Beim Einkaufen etc. tragen die Leute aus dem Team Handschuhe. Der Einkaufsvorgang läuft auf Vertrauensbasis, soll heißen, dass das Einkaufsteam (2-3 Menschen, aber nie eine*r alleine)das Geld auslegt. Eine halbe Stunde vor der Auslieferung werden die Leute, die den Auftrag gegeben haben, noch mal angerufen und die Lieferung angekündigt. Am Telefon wird durchgegeben, wie viel der Einkauf gekostet hat. Die Einkäufe werden dann vor die Tür gestellt und das Geld in einem Umschlag übergeben. So wird Kontakt so weit wie möglich vermieden.
    Bislang wurde das Geld immer voll erstattet, das Vertrauensprinzip funktioniert.

    Es besteht die Überlegung den Einkaus- und Lieferservice auch auf die Menschen auszuweiten, die gerade Extraschichten in Krankenhäusern schieben müssen und nach der Arbeit wahrscheinlich keinen Nerv mehr haben, einkaufen zu gehen bzw. beim Einkaufen vor leeren Regalen stehen.

    Inzwischen ist in Hildesheim auch ein Spielwarenhändler, der normaler Weise Ausleihstation ist, aber schließen musste, mit einem Lastenrad im Einsatz, er liefert Spielwaren an Kund*innen, die diese bestellt haben.

    Zudem ist ein Restaurantbetreiber mit zwei Lastenrädern unterwegs, er musste spontan einen Lieferservice für seine Speisen aufbauen. Gastronomiebetriebe dürfen in Niedersachsen aktuell nicht mehr öffnen. Da der Restaurantbetreiber die Lastenräder für einen kommerziellen Zweck nutzt, eine Spende an den Hilde Lastenradverleih entrichten, wenn die Räder wieder in den regulären Betrieb gehen können.

    #2501
    mrg
    Teilnehmer

    Wir in Wuppertal machen ein ähnliches Angebot. Zur Zeit haben wir eine Kontakt-E-Mail-Adresse und koordinieren uns über ein geteiltes One-Note-Sheet. Eine Telefonnummer ist in Vorbereitung. Werbung läuft über Social-Media, die Webseite und über Außänge. Außerdem sind wir auf der Webseite der Stadt Wuppertal vertreten.

    • Diese Antwort wurde geändert vor 3 Monaten, 3 Wochen von mrg.
    #2503
    Simon
    Teilnehmer

    Wir sind in Essen mit der evangelischen Kirche im Boot. Es gibt vereinzelte Fahrten durch registrierte Nutzer durch das Essener Lastenrad. Zusätzlich ist aber auch die Initiative für Nachhaltigkeit mit einem Lastenrrad unterwegs.

    Auf der Seite wird direkt mit drauf hingewiesen.

    Corona-Nachbarschaftshilfe

    Wenn Sie zur Risikogruppe gehören, also Jahrgang 1960 oder älter sind oder immunschwach / chronisch krank sind, dann bleiben sie BITTE unbedingt zu Hause und lassen sich helfen.

    Wir übernehmen für Sie Einkäufe, Apothekengänge oder gehen mit ihrem Hund spazieren.
    Rufen Sie uns an!
    0201 – 45 85 13 09

    Wir arbeiten in Kooperation mit dem Projekt Ehrenamtsmanagement des Evangelischen Kirchenkreises Essen.

    Die Helfer sind bei uns registriert und werden Sie niemals ohne Ihren Auftrag kontaktieren. Wenn Sie uns anrufen, dann werden wir Ihnen im jeden Fall sagen wer zu Ihnen kommt. Ohne Ihren Anruf wird niemand von uns mit Ihnen in Kontakt treten!

    Bitte habt Verständnis, dass die Buchung der Lastenräder unter den gegebenen Umständen leider derzeit nur beschränkt möglich ist. Buchungen bitte immer mit mindestens 24 Stunden Vorlauf. Danke!

    #2504
    Peter
    Teilnehmer

    Hier ein paar Infos aus der Praxis in Buchholz i.d.N. Wir sind vor rd. einer Woche mit unserem Hilfsangebot „Lieferservice für ältere und kranke Menschen“ gestartet. Aktuell haben wir rd. 2-3 Lieferungen pro Tag zu erledigen.

    Verleihbetrieb eingestellt!
    Die Heidschnucken-Lastenräder wurden aus dem allgemeinen Verleihbetrieb herausgenommen und nun bei Vereinsmitgliedern über das Stadtgebiet verteilt stationiert.

    Werbung
    Wir haben durch einen öffentlichen Aufruf derzeit ca. 50 freiwillige Helfer*innen, die für Lieferdienste zur Verfügung stehen.
    Wir haben über Social Media, E-Mail-Verteiler, Presse und Aushänge Werbung gemacht. Bei unserer Stadtverwaltung existiert eine Telefonzentrale, die Hilfesuchende auf unseren Lieferservice hinweist. Neben uns bieten auch noch die Kreis-Jusos und ein Sportverein ähnliche Aktionen an. Bislang laufen diese Angebote parallel.
    Die Pflegedienste haben wir gezielt angesprochen. Die sind sehr dankbar, weil sie entlastet werden. Die Pflege dauert aktuell durch zusätzliche Schutzmaßnahemn, die aufgrund des Coronavirus nötig geworden sind, deutlich länger. Da sind keine Zusatzdienstleistungen wie Einkäufe und Besorgungen mehr drin.
    Und es spricht sich so langsam rum.

    Prozedere
    Wir haben eine E-Mail-Adresse und eine Telefonnummer bekannt gegeben, die bei mir persönlich auflaufen. Ich verteile die Aufträge dann an günstig gelegene Fahrer*innen. Meistens fahren diese mit eigenen Fahrrädern, Packtaschen, Körben und Anhängern. Oder man holt sich ein Lastenrad bei einer der „neuen“ Stationen ab. Problem könnte sein, dass sich auch uns völlig fremde Personen als freiwillige Helfer*innen gemeldet haben, deren Vertrauenswürdigkeit wir nicht einschätzen können. Die „Kunden“ geben mir telefonisch oder (besser!) per E-Mail eine Einkaufs- oder Besorgungsliste auf und ich leite diese dann per E-Mail an die Fahrer*innen weiter. Zuvor kläre ich, ob diese aktuell für die Lieferung zur Verfügung stehen. Bislang konnten wir Lieferaufträge immer sehr zeitnah abwickeln. Die Fahrer*innen gehen dabei in finanzielle Vorleistung, senden mir die Einkaufsbelege und bekommen den Gegenwert aus Vereinsmitteln sofort auf ihr privates Konto erstattet. Ich kümmere mich dann um die Bezahlung per Überweisung durch den Kunden. Das hat bislang immer geklappt. Wir haben uns dazu entschlossen, dieses Risiko einzugehen und einen finanziellen Ausfall ggf. aus der Vereinskasse zu tragen. Da, wo keine Überweisung möglich ist, lassen wir Barzahlung zu. Das Geld wird dann bei Lieferung in einen Umschlag gepackt und nicht persönlich übergeben, sondern vor die Tür gelegt. Genauso handhaben wir es bei Überbringung der Lieferung. Diese wird vor die Tür gestellt, dann klingeln wir und warten mit Abstand, bis sich die Tür öffnet und der Einkauf reingeholt wird. Das klappt bislang alles sehr gut. Die belieferten Menschen sind sehr dankbar und zahlen i.d.R. mehr als ausgelegt wurde. Dieses vereinnahmen wir als Spende für unseren Verein. Wir haben inzwischen auch Stammkunden, die dann i.d.R. von denselben Fahrer*innen beglückt werden. Das lieben die i.d.R. alten Menschen sehr.

    Weitere Herausforderungen
    – Manche Kunden übertreiben es. In einem Extremfall mussten wir gestern über den Wochenmarkt zu mehreren Ständen, danach noch zu einem Drogerie- und Edekamarkt. Das hat ins. 2 Stunden an Zeit gekostet. Man sollte den Kunden daher aufgeben, dass sie sich auf das Nötigste beschränken, was man bei einem oder zwei Geschäften bekommt.
    – Wir haben unseren Helfer*innen mitgeteilt, dass sie die Hilfsdienste völlig freiwillig anbieten und wir weder persönlich noch vom Verein für irgendwas haften können. Ob dieser Haftungsausschluss in dieser Form rechtlich haltbar ist, weiß ich nicht. Aber auch hier vertrauen wir.
    – Wir haben auch freiwillige Helfer*innen, die sich gemeldet haben, aber nicht mit dem Fahrrad, sondern mit dem Auto fahren würden. Diesen haben wir nicht abgesagt, sondern erstmal in die Liste der Helfer*innen aufgenommen. Sie werden vorerst nicht eingesetzt. Sollten wir sie für die Bewältigung der Lieferdienste benötigen, würden wir auch auf sie zurückgreifen. Uns ist die Hilfsleistung dann wichtiger, als dass sie mit dem Fahrrad fahren.
    – Erstaunlicherweise haben sich so gut wie keine Schüler*innen zur Hilfe gemeldet, sondern durchaus einige Rentner*innen, die uns schrieben, Sie hätten Zeit und wären fit. Hier fragen wir uns, wie weit unsere Fürsorgepflicht gehen sollte. Schließlich gehören Menschen ab dem 60. Lebensjahr immerhin zu den besonders gefährdeten Personen. Vereinzelt haben wir diese dennoch eingesetzt. Aber nur dann, wenn die Bezahlung der Lieferung bargeldlos garantiert war.
    – Kontrovers diskutiert haben wir intern über die Ausweitung unseres Lieferservices auf den örtlichen Einzelhandel. Diese leiden vermutlich stark unter der verfügten Schließung. Einige müssen ggf. auch um ihre Existenz fürchten. In den kommerziellen Handel wollten wir eigentlich nicht einsteigen. Aber wir haben uns dennoch dazu entschlossen, weil wir das lokale Einkaufen (anstatt über Amazon etc.) fördern wollen. Die Idee dahinter ist, dass die Kunden der Einzelhändler ihre Ware per Telefon, E-Mail, online beim örtlichen Handel bestellen und wir die Ware für den Einzelhändler ausfahren, sollte er dieses nicht selbst bewerkstelligen können. Dieses Angebot haben wir aber erst kürzlich kundgetan, so dass wir noch keine Erfahrungen haben, wie dieses angenommen wird.

    #2505
    DerBärRent
    Teilnehmer

    In Berlin sind inzwischen ca. dreiviertel der fLotte-Standorte geschlossen. Wir suchen Wege, wie wir die Räder den überall entstehenden Hilfe-Aktionen zur Verfügung stellen können. Wir haben dazu einen Aufruf auf unsere Homepage gestellt.

    fLotte Corona-Hilfe: Engagierte Menschen gesucht


    Ein ähnlicher Aufruf kam vom ADFC-Berlin.
    https://adfc-berlin.de/aktiv-werden/bei-aktionen/821-unterstuetzung-gesucht-lebensmittel-an-beduerftige-verteilen.html
    Wir haben eine kleine Task-Force gebildet (Katha und Matthias) zur Koordination und Vermittlung geeigneter Lastenräder. Zur Abstimmung benutzen wir ein Google-Dokument. Hier werden alle Anfragen eingetragen und der Stand für alle transparent dokumentiert. Zusätzlich sprechen wir uns fast täglich kurz in einer TelKo ab (your-fix).
    Eigene Hilfe-Aktionen können wir nicht stemmen. Wir konzentrieren uns auf die Bereitstellung der Lastenräder in Form von Sondernutzungen mit i d. R. unbestimmter Nutzungsdauer. Die Räder können ja nicht mehr vom Standort übernommen werden. Die Übernahme durch die Sondernutzer*innen muss also anders organisiert werden. Auch muss die Einwilligung des jeweiligen Eigentümers des LR eingeholt werden.
    Die Anfragen sind sehr vielfältig. Die Spanne reicht von Einzelpersonen bis zu einer recht großen Anfrage von Extinction Rebellion in Zusammenarbeit mit den Tafeln. Wir gehen davon aus, dass die Zahl der Anfragen weiter steigen wird.

    • Diese Antwort wurde geändert vor 3 Monaten, 3 Wochen von DerBärRent.
    #2509
    Arne B.
    Teilnehmer

    Hallo Leute,

    der Einkaufsservice des Erfurter Freien Lastenrads hat es bereits in die ARD und die Bild Zeitung geschafft: https://www.ella-lastenrad.de/

    Auch das Freie Lastenrad in Eberswalde hat gerade einen Einkaufsservice gestartet: https://lastenrad-eberswalde.de/2020/03/24/lastenrad-lieferservice-jetzt-buchen/

    Was haltet Ihr davon, diese Projekte unter #CargobikesAgainstCorona zu verbreiten? Ich schlage das auch europäischen Kontakten vor. Auf welchen # für die Freien Lastenräder hatten wir uns eigentlich in Hildesheim geeinigt? Da gibt es bisher nicht wirklich eine Linie, oder? Mein Vorschlag: #FreieLastenräder

    Schöne Grüße aus Berlin
    Arne von cargobike.jetzt

    #2510
    Tinka
    Teilnehmer

    Hallo allerseits,

    den Vorschlag, die Projekte unter #CargobikesAgainstCorona zu verbreiten finde ich spitze!
    Auf welchen Hashtag wir uns in Hildesheim geeinigt haben, weiß ich leider nicht mehr, #Freie Lastenräder finde ich aber gut.

    Bei einer Recherche zu einem anderem Zweck entdeckte ich eben, dass die Ini Dein Deichrad aus Wilhelmshaven und Jever auch einen Einkaufs- und Lieferservice für Coronarisikogruppen anbietet.
    Habt ihr noch weitere entdeckt?

    Liebe Grüße,
    Tinka

    #2512
    ThomasBue
    Teilnehmer

    Prima Idee mit dem Hashtag – das verwenden wir jetzt auch.
    Dank fLotter Teamarbeit, besonders mit XRebelRiders, werden es täglich mehr fLotte Räder, die zur Corona-Hilfe unterwegs sind – s. hier:

    Corona-Hilfe: Die fLotte rollt an


    LGG aus Berlin

    #2535
    Lea
    Teilnehmer

    Mobilität nach COVID-19

    Bleibt zu Hause, bleibt gesund, tretet in die Pedale! COVID 19 als Treiber der Mobilitätswende.“
    So oder ähnlich klingt der Titel meines Beitrages zum (geplanten) Buch/Sammelband: „Mobilität nach COVID-19“

    Da ich in diesem Zusammenhang gerne kritisch auf die bisherigen, kürzlichen und künftigen Entwicklungen – natürlich auch im Bereich Lastenfahrräder – eingehen möchte, würde ich auch gerne das Thema (Cargo-) Bike Verleihsysteme/ Cargo Bike Commons – Herausforderungen, Maßnahmen, Chancen – aufgreifen. Ich würde mich daher sehr freuen, wenn ihr ein kurzes Statement zu den Entwicklungen (was war) bzw. einem Ausblick (was wird/ sollte sich künftig ändern) beisteuern würdet. Gerne auch ein (kritisches) Statement dazu, welche positiven sowie negativen Auswirkungen die Pandemie auf die Mobilitätswende allgemein hat/künftig haben könnte.

    Gerne teile ich die Ergebnisse bzw. meinen Artikel nach Möglichkeit mit euch.

    Fragen, Anmerkungen, Rückmeldungen und Statements schickt bitte an lea.heinrich@zu.de oder ruft mich einfach an 🙂 07451-60091606

    Ein herzliches Dankeschön vorab in die Runde!
    Lea

    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Monat, 3 Wochen von Lea.
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